Aufräumen und Ordnen

Eine größere Aufräumaktion in meinem Leben war im vergangenen Sommer überfällig. Ich begann sie mit Gebet und dem Aufbau von mehr Struktur in meinem Leben. Ich gewöhnte mir an, nicht nur beinahe jeden Sonntag, sondern wirklich jeden Sonntag und außerdem täglich, Montags bis Freitags, zur Messe zu gehen. (Und ich bin sehr dankbar dafür, daß ich das kann.) Die Kirche, die mir innerlich abhanden gekommen war, wollte ich neu kennenlernen und damit meinem matt gewordenen Glauben wieder auf die Füße helfen.

Learning by doing ist ein bekanntes Schlagwort – und es ist auch im Glaubensleben anwendbar. Auf diese Weise entdecke ich vieles neu, was das kirchliche Leben katholischer Prägung ausmacht: den Rosenkranz, die Laudes, die Choralschola (hier ein besonderer Dank an Gott für die Gabe der Musik!) – und die wachsende Möglichkeit, mich selbst einzubringen.

Auch das allmorgendliche Gebet, das ich über lange Zeit vernachlässigt hatte, ist mir wieder wichtig geworden. Es ist mir inzwischen nicht mehr eine abzuhakende Pflicht, sondern ein Bedürfnis geworden. Dabei sehe ich zwar die Gefahr, das Gebet zu verzwecken. Das Morgengebet gibt dem Tag eine Struktur – aber das ist nicht sein Sinn, sondern nur eine seiner Folgen. Ich versuche, dies nie zu verwechseln.

In dieser Zeit des Aufbruchs gab der Gemeindepfarrer mir den Auftrag zu mehreren Choraltexten. Das ist für mich ein ganz neues Feld und sehr spannend, und die Reaktionen der Gemeinde zeigen mir, daß nicht nur ich mit meinen Werken zufrieden bin.

Das Aufräumen ist nicht abgeschlossen. Man kann ein bewohntes Zimmer nicht ein für allemal aufräumen, viel weniger ein Leben. Aber ich bin froh über jeden Tag, an dem ich ein wenig mehr wegräume und entsorge von dem, was zwischen mir und Gott steht.

Ein Gedanke zu “Aufräumen und Ordnen

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